Donnerstag, 31. Dezember 2009

Klamauk zum Jahresende

2009 ist beinahe Geschichte und ich verabschiede mich mit folgendem Schmu:

Jon Lajoie - Show me your genitals

Wer's noch nicht kennt - herrliche Rap-Parodie, bei der man selbst als Rapfan lachen muss.



Adolf H. vs. Biggie Smalls

Nein, ich hege nicht die geringste Sympathie für diesen Kerl, aber dieses Video mit der Tonspur eines Live-Rap-Tracks ist einfach genial zusammengeschnitten.



Guten Rutsch und auf bald!

Samstag, 26. Dezember 2009

Damion Davis - Lichtjahre DVD


Obwohl Damion Davis weit abseits der Charts agiert und daher der großen Allgemeinheit wohl eher kein Begriff ist, ist er auch schon eine gute Dekade aktiv. Neben drei Alben, denen in Sachen Wortgewandtheit und Sprachbeherrschung im deutschen Rap nur wenige andere Platten bzw. Künstler das Wasser reichen können, verbrachte Damion sein halbes Leben auf Bühnen, vor und hinter der Kamera und in Tonstudios. Trotz einer langen Karriere ist man doch etwas erstaunt, wenn aus der DVD-Hülle gleich drei (!) Scheiben herauskullern. So viel Material muss jetzt unter die Lupe genommen werden.

Auf DVD 1 erzählt Damion uns erst etwas zu seiner "History". Diese Filmsequenz besteht primär aus einem in Interview-Manier seine Geschichte erzählenden Damion Davis und einigen eingefügten Videoaufnahmen aus vergangener Zeit. Wenn die Ausführungen des Protagonisten selbst auch nicht uninteressant sind, zieht sich das Ganze doch ziemlich. Das liegt vorwiegend daran, dass die Einspieler alter Videos sehr kurz gehalten und rar gestreut sind. Das ist schade, da, wie man u.a. am YouTube-Adventskalender sieht, es sicherlich Unmengen alter Aufnahmen gibt, die hier allerdings kaum gezeigt werden und es somit fast bei einem reinen Interview bleibt. Daraus hätte man sicher mehr machen können, wenn man sich z.B. die DVD der Beginner als Maßstab nimmt.
Das erste Set "Live @ Molotow, Hamburg, 2007" zeigt Damions Live-Fähigkeiten, die ich bisher in Deutschland nur von Curse kenne: Egal wie schnell und anspruchsvoll der Text ist, Damion hat eine sehr klare Aussprache, denkt nicht im geringsten daran, einen Backup-Rapper einzustellen und reißt sich stets den Arsch auf, um die Leute zu unterhalten. Man sieht bei der Aufzeichnung von insgesamt 7 Tracks das enorme Potential dieses Burschen als sehenswerten Live-MC. Wenn dieses Set auch in einem sehr kleinen Club mit bescheidener Crowd stattfindet, macht es Spaß, es anzusehen.
Die zweite Aufzeichnung "Live @ Splash! Festival 2008" zeigt Damions kompletten Auftritt als Opener des Splash!-Sonntags 2008. Wurde im vorherigen Set noch auf bewährte Turntables zurückgegriffen, sorgt hier eine Band für die musikalische Untermalung. Entgegen Damions Lobesschwüren auf die Geilheit der Band ist genau diese eher ein Minus-Faktor. Die Jungs spielen zwar nicht schlecht, jedoch erkennt man die nachgespielten Beats oft nur mit Mühe und die Instrumentierung ist generell recht dünn. Manche Beats mit markanten Samples wie etwa "Rooftops" oder "Fluchtversuch" klingen einfach nur von Platte richtig gut. Damion zeigt hier wie gewohnt sein Können und bemüht sich darum, die Menge für sich zu gewinnen, was bei geschätzten 300 klitschnassen Menschen im Festival-üblichen Regenschauer auch funktioniert. Mit Beats klassisch von Platte würde das sicher noch mehr abgehen, ist aber in jedem Fall eine weitere gelungene Darbietung, wenn Damion samt Band angesichts des noch recht leeren Geländes am frühen Nachmittag doch etwas verloren aussieht.
Das nachfolgende "Splash!-Special" zeigt Damion im Interview mit Looptroop und Spax. Kann man sich ansehen, ist aber auch nichts, was man sich immer wieder mal reinziehen muss. Weiterhin sieht man Ausschnitte aus Damions Show mit der Sushi-Band auf dem Splash!, die ich jetzt mal als eine Instrumental-Kombo mit Freestyle-Rapper umschreiben würde, die in Richtung Funk geht. Aufgrund der Kürze des Beitrags und der eher räudigen Audioqualität der Aufnahme lässt sich dazu allerdings nichts Detailliertes ausführen.

Die DVD 2 eröffnen drei "Filme", die Damion in den letzten Jahren gedreht hat. "Der Freimaurer" dauert nur eineinhalb Minuten und war ein Beitrag zum Thema Mauerfall. Der Film "Drehmoment" zeigt Impressionen aus Berlin. Sein tieferer Sinn erschließt sich mir allerdings nicht, ein wirklicher Film im klassischen Sinne ist das auch nicht, eher eine kleine Doku oder Momentaufnahme. Der einzige wirkliche und auch richtig gute Film ist "Wholetrain", den man allerdings separat auf DVD erwerben muss und hier nur einen Trailer serviert kriegt. Nach den Filmchen gibt es ein nochmal vier "Livetracks" ("Bandecho", "Marschmusik", "Linewand", "Fluchtversuch"), die auch in den Sets der ersten DVD gespielt wurden. Allerdings gibt es hier eine Live-Tonspur und wechselnde Bilder dazu aus vielen verschiedenen Gigs, an denen der Track performt wurde. Eine nette Zusammenstellung, aber auch nichts, was enorm vom Hocker reißt. Zum Schluss kann man sich noch alle Videoclips, die es bisher von Damion gibt, in guter DVD-Qualität ansehen. Dass in ihm ein Filmer steckt, sieht man an allen Clips, von denen jeder sehr gelungen ist und insbesondere der Evergreen "Fluchtversuch" durch beeindruckende Kamerafahrten besticht.

Als wäre das nicht genug, gibt es noch ein exklusives "Spoken View (Re-)Mixtape" von DJ V.Raeter und Breaque. Dieses ist eine gute Zusammenstellung diverser Tracks, von denen ich nicht alle kenne und daher nur bei den Album-Tracks von Damion bestätigen kann, dass es sich um Remixe handelt, d.h. neuer Beat plus alte Vocals. Die neuen Beats kommt allerdings bei weitem nicht an die Originale heran und gerade bei Tracks wie "Rooftops", "Von jetzt an" oder "Willkommen im All", bei denen der Beat schon eine enorme Atmosphäre kreiert, fehlt dieses Feeling gänzlich im Remix. Weitere Non-Album-Tracks seitens Damion Davis schließen sich nahtlos an seinen ohnehin qualitativ hohen Output an und ergänzen die Sammlung um weitere Top-Songs. Hiob & Dilemma sind auch mit einigen Tracks vertreten, bei denen es sich, denke ich mal, auch um Remixe handelt. Trotz der mir etwas widerstrebenden penetranten Stimmen der beiden sind auch das gute Songs, die man sich mehr als nur einmal anhören kann. Die beiden Solos von Sir Serch wissen auch durch lockere Flows zu gefallen und runden das Ganze gut ab.

Bei so viel Material stellt sich auch ein logischer Kritikpunkt ein: Komprimierung. Die DVD bietet ein gutes und ein zweites, etwas schlauchendes Liveset, wobei man erkennt, dass Damion auch live zum besten zählt, was dieses Rap-Land zu bieten hat. Seine History-Erzählungen sind für Fans durchaus interessant, jedoch mangels Abwechslung im Beitrag recht unspektakulär. Die Filme halte ich für wenig sehenswert und überflüssig, ebenso wie die Live-Zusammenschnitte auf DVD 2. Das Mixtape lohnt sich anzuhören und bietet durchweg gute Tracks ohne Ausfälle. Zusammenfassend hätte sich Damion also die zweite DVD bis auf die Videoclips sparen können und die History mit wesentlich mehr Footage versorgen müssen. Trotz dieser Kritikpunkte ist die DVD für die, denen Damions Musik gefällt und die ihn auch mal im Wohnzimmer live sehen wollen sicher eine gute Investition. Ich gehöre zwar zu diesen Menschen, hätte mir jedoch mehr erwartet von diesem Projekt.

Wertung: 3,5/5

verfasst für www.rap4fame.de

Samstag, 12. Dezember 2009

Deutschrap 2009: Ein trauriger Rückblick

Um diese Zeit kommt natürlich wieder jeder angeschissen und stellt seine Jahrescharts auf. Ich würde das auch gerne tun und schaue dabei erfreut auf das letzte Jahr, das nur so vor guten Platten stotzte und sogar einige potentielle Klassiker hervorbrachte. Ich denke da nur an Curse, Peter Fox oder Casper. (Top 10 zu sehen hier)

Wie war das in diesem Jahr? Kurz: nicht so. Eigentlich gab es nur zwei Alben, die mich in ihrer Gesamtheit überzeugen konnten. Zum einen Tuas "Grau", das mit durchdachten Texten und interessantem Soundbild in seiner ganz eigenen Weise Spaß macht. Zum zweiten Samys "Dis wo ich herkomm", auf dem er zeigt, dass er es immernoch kann und zwar nicht mehr so bissig wie früher spittet, jedoch nach wie vor Qualität bringen kann.
Als "befriedigend" bezeichnen lassen sich Mädness' "Zuckerbrot und Peitsche" und "Vier Fäuste für ein Halleluja" von Olli Banjo & Jonesmann. Mädness fährt durch die zu elektronischen hässlichen Beats Minuspunkte ein und auch dadurch, dass er in Sachen Themenvielfalt nachgelassen hat. Banjo & Jones rappen zwar technisch hochwertig, lassen aber den ihnen eigenen Witz fast gänzlich vermissen, was die Tracks recht schnell langweilig macht.
Da wären wir dann auch schon durch. Das viel gefeierte "Versager ohne Zukunft" von Kamp & Whizz Vienna ist zwar auch nicht schlecht, zieht sich aber enorm durch die langsamen Flows und spricht mich insgesamt nur wenig an.
Die restlich relevanten Platten des Jahres erwähne ich gar nicht mehr, da sie nichts zu bieten haben, woran man als Hörer lange Freude haben wird.

In diesem Sinne wünsche ich Rap gute Besserung und allen Lesern diese Blogs, sofern sie existieren, ein frohes Weihnachtsfest. Verschenkt statt Deutschrap-Platten lieber das neue Album von Westernhagen, das ist gut.

Freitag, 4. Dezember 2009

Beginner - Die derbste Band der Welt (DVD)


Wer die Beginner kennt, weiß, dass sie Perfektionisten sind und keine halben Sachen abliefern. So geschehen auch mit dieser Doppel-DVD, die einen scheinbar unerschöpflichen Fundus an Live-Material, Making Of's, Videos, Backstage-Reporten und jeder Menge Faxen aus dem musikalischen Alltag der drei Hamburger Pioniere bietet. Obendrein kommt eine aufwändige Doku über den Werdegang des Trios mit vielen ungesehenen Aufnahmen aus 13 Jahren Bandgeschichte.

Den Hauptfilm auf DVD 1 stellt die 70-minütige Dokumentation über die Geschichte der Beginner dar. Kommentierend blicken die drei auf etliche Stationen ihrer Karriere zurück. Dies ist nicht nur für Beginner-Fans, sondern generell für Deutschrap-Interessierte die wohl beste Doku, die es in diesem Sektor gibt. Lange vor "Bambule", zwischen 91 und 98, zogen die Beginner durch die Lande und machten ihre Erfahrungen auf Bühnen und in Studios. So sieht man Aufnahmen aus uralten Jams in Hamburg oder den ersten Aufnahmeversuchen im großen Studio, wobei man sich über die kleinen Kinder, die da rumhüpfen, bestens amüsieren kann. Denyo mit Afro-Frisur oder Klein-Eizi mit Haaren, Mitte der 90er Jahre, sind mehr als sehenswert. Vor allem auch deswegen, weil man einen Einblick bekommt, wie primitiv Rap damals noch produziert wurde. Neben Kommentaren von Leuten wie Torch, Dynamite Deluxe oder Main Concept kommen auch Verantwortliche von Plattenfirmen zu Wort, die über ihre Erfahrungen mit den Beginnern berichten. Wer die drei als Rocker verkleidet auf einem Metal-Festival sehen will, wie sie "Highway to Eimsbush" improvisieren oder staunen will, in welch abgefuckten Schlafstätten man früher nach Jams übernachtet hat, sollte einschalten. Vom Release von "Bambule" über den anschließenden Hype und die damit verbundenen Höhen und Tiefen geht es weiter zur Produktionsphase von "Blast Action Heroes", wobei es wieder jede Menge Einblicke in das "Stylen" der Jungs gibt und man hautnah dabei ist, wenn die Tracks entstehen. Der Humor kommt bei all dem nie zu kurz und der Film ist mit keiner Minute langweilig, sondern durchweg lustig, informativ und sehr abwechslungsreich.
Zusätzlich gibt es alle Videoclips der Beginner inklusive vieler Making Of's dazu, die nicht minder interessant und amüsant sind wie der Hauptfilm. Man merkt beim schauen der Clips oft nicht, welch enormer Aufwand dahinter steckt, gerade bei Songs wie "Hammerhart" oder "Fäule" wurden keine Mühen gescheut. Zusätzlich zu der Video-Sektion findet man im Booklet zu fast jeden Clip Anekdoten, die als Begleitlektüre nicht minder von Interesse sind.

Eineinhalb Stunden Beginner live in Hamburg im Rahmen der "Blast Action Tour 2003" gibt es auf DVD 2 zu sehen. Eine super Show mit einem bunten Mix aus beiden Platten sowie einigen Specials wie einem Gastauftritt von Dende bei "Mikro in der Hand". Flotte Schnitte und eine routinierte und engagierte Show sind ein Augen-und Ohrenschmaus und es ist immer wieder erstaunlich, wie eingespielt die drei aufeinander sind. Sehr sehenswert hierbei ist auch das Klingelton-Special. Wer mehr dazu wissen will, muss sich die DVD dann aber kaufen.
Neben dieser langen, aber nicht schlauchenden Live-Show gibt es noch mehr Schmankerl zu sehen. Es existiert weiterhin ein etwa halbstündiger "On the Road"-Bericht, der vom Soundcheck über das Zähneputzen vor dem Tourbus bis zu den Shows selbst ebenfalls uneingeschränkt zu empfehlen ist. Das oft herrlich dumme Gelaber der Truppe um Tropf, Mixwell und Beginner ist manchmal besser als Comedy und findet seine Krönung in "Gag in Town". Dies ist eine Sammlung von allerlei Outtakes, sinnlosen Aktionen und weiteren Szenen, bei denen garantiert keiner nicht lacht. Papierflieger-Contest nach dem Splash, Verkackte Radio-Interviews, Eißfeldts hingebungsvolle Playback-Einlage zu Jeanette Biedermanns Performance sind nur einige der urkomischen Filmchen, die einer ohnehin grandiosen DVD die Krone aufsetzen.

Viele DVDs schaffen es nicht, durchweg interessant zu sein. Diese hier meistert diese Hürde spielerisch, obwohl sie vollgestopft ist mit Material bis zum Rand. Eine großartige Doku, eine souveräne Live-Show und nicht zuletzt jede Menge Gags, Faxen und Dummbatzerei schnüren ein Paket, das man einfach haben muss, da es hier durchweg Qualität gibt und die Beginner als eine sehr umtriebige und seit langem existente Gruppe auch viel zu berichten haben. Ob sie wirklich die derbste Band der Welt sind mag ich jetzt im globalen Kontext nicht entscheiden, die derbste Rap-DVD aus deutschen Landen ist das jedoch mit Abstand. Unbedingt zulegen!

Wertung: 5/5

verfasst für www.rap4fame.de