Montag, 16. November 2009

Kool Savas - Was hat SAV da vor?


Eine Neuauflage des Covers zu seinem großartigen Debüt-Album und diese endlose Online-Video-Soap legen eine hohe Messlatte für das, was SAV da nun wirklich vor hat. Ich habe diese Soap kaum verfolgt, weil ich mit dieser zwanghaften Sich-im-Gespräch-halten-müssen-Masche nichts anfangen kann, vor allem wenn man sich vorwiegend mit irgendeiner abgefuckten Handycam filmt. Hat ein Vollprofi wie Savas diese schäbige Berichterstattung nötig? Es scheint so. Es scheint auch so, als würde die ganze Welt darüber reden und auch die Savas-Eko-Kiste schon anhand kleinster Twitter-Zitate direkt wieder ausgraben und mit dem Mikroskop analysieren. Für mich stellt sich dabei nur eine einzige Frage: Habt ihr eigentlich nichts besseres zu tun? Oder vielleicht noch eine: Wer will das wissen?

Helmut Kohl sagte einst schon sehr treffend "Wichtig ist, was hinten rauskommt". Pillath würde darauf wohl spitten: "Und ich rede nicht von meinem Riemen nach dem Arschfick, Doggy!". Ok, genug der Faxen, wichtig ist, was bei der EP von Essah nun hinten rauskommt. Ja, ich habe sie runtergeladen, da ich die Juice, seit der Nichtskönner Farid Bang auf dem Cover war, nicht mehr käuflich erwerben werde.

Es kam wie erwartet. Savas rappt immernoch königlich und macht kaum Abstriche in Sachen Flow und Skills, wenn er auch seinen größten Hunger schon hinter sich gelassen hat. Die Beats sind hier erstaunlich schwach und drucklos, sie plätschern so mir nichts dir nichts durch die Boxen.
Inhaltlich geht es da ähnlich schwach zu. "Was hat SAV da vor" ist ein Opener, der in Ordnung geht, aber auch nicht mehr. Inwiefern die Hörerschaft interessiert, dass Savas' Shirt "Black" ist, kann ich mir nicht erschließen. Der Track spielt durchweg mit dem Thema "Schwarz und Weiß", was aber lyrisch nicht wirklich anspruchsvoll ist oder dank guter Lines im Gedächtnis bleibt. Was bleibt ist eine nervtötende Hook. Bei "Butterflys" erzählt Savas die Geschichte einer Groupie-Tussi, die ihn vergöttert. Geht nicht davon aus, dass es noch eine krasse Wendung in der Story gibt, denn er Track vermittelt den Eindruck, aber es bleibt bei einer belanglosen Geschichte. Kommen wir zum großen Feature-Ennsemble "Futurama", das leider nahezu komplett fürs Klo ist. Altmeister Curse lässt sich zu Blabla-Zeilen herunter, Azad stochert wieder vergeblich im Beat rum und meint immernoch, alles zerstören zu müssen. Ceza und Greis verstehe ich kaum, sie mögen gut sein. Wenn Havoc wirklich der von Mobb Deep ist, raff ich nicht, wie man ein so großes Feature auf so einen Track klatschen kann. Perlen vor die Säue. Obwohl, da Havoc auch nur rumlangweilt, vielleicht ganz gut so. "Charisma" ist noch der fast beste Track, da hier ein gut aufgelegter Amar mal wieder zeigt, dass doch einiges in ihm steckt.

Was bleibt ist viel Lärm um nichts. Vielleicht sollte Savas in Rente gehen, jetzt da Optik tot ist. Er hat mehr als genug große Kunst serviert und sollte sich nicht zwanghaft mit belanglosem Gewäsch über Wasser halten müssen. Er kann rappen, aber hat scheinbar nichts mehr zu sagen. Vielleicht verfasse ich meine Beiträge künftig audiovisuell und erzähle euch über meine 3,2-Megapixel-Handykamera aus der schönen Rap-Welt, wenn euch das lieber ist.