Gerade lese ich über die wohl baldige Schließung von Deluxe Records und muss dazu kurz meinen Senf abgeben.
Kurz um: Wurde auch Zeit.
So sehr ich Fan von Sam und seiner Musik bin, so sehr muss man sagen, dass er mit diesem Label im Grunde so gut wie alles falsch gemacht hat. Konnte man die „Hamburgs Finest“-Geschichte am Anfang noch mit recht guter Rapmusik verbinden, wendete sich das Blatt zunehmend ab Mixtape Nr. 6 („Big Baus oft the Nauf“). Erschreckend einfallslose Tracks eines Möchtegern Ami-Checkers erschlugen das leise „Ohladidadida“ in den Ohren der Fangemeinde wie ein Vorschlaghammer und ich sagte damals schon Samys sicheren Abstieg voraus. Zum Glück bin ich was das Prophetendasein angeht noch nicht so geübt. Zum Glück hat Herr Sorge schließlich erkannt, dass nicht alles was glänzt auch Gold ist, wie man so schön abgedroschen sagt. Und zum Glück reißt er mit dem schon immer lahmenden Deluxe-Dampfer eine Menge Fehleinkäufe mit in die Tiefe.
Illo hätte so viel aus sich machen können, wurde aber zum Schnulzenkönig des deutschen Rap und verschwand schließlich in der Versenkung. Die Headliners waren zwar keine schlechten Rapper, aber was haben sie hinterlassen? Richtig: Nichts. Dass die Koalition aus Pott und Hamburg in einem Misstrauensvotum zerbrach, war von Anfang an klar und nahm dem aufstrebenden Trio SPM den Wind aus den Segeln. Gut, dass es so kam, denn Manuellsen sowie Snaga sowie Pillath hatten ihre Zeit und ihren verdienten Hype, stellten jedoch unter Beweis, dass sie langfristig keinen Platz in der Regierung finden können. Anscheinend hatte Sam beim Signing von Blade seine Kiff-Sperre durchbrochen, denn was er an diesem Kerl fand, versuche ich heute noch vergeblich zu verstehen. Ali A$ ist ein witziger Typ, jedoch auch keine Leuchtfigur am Raphimmel. Letztlich hatte Tua für ein interessantes und gutes Album über das Label eine Basis, die Masse zu erreichen, hat aber auch nie in das Roster gepasst. Die beiden mehr schlecht als rechten Labelsampler zeugten davon, dass hier vieles nicht zusammenpasste und man weit von den Maximen vergangener Hamburger Tage entfernt war.
Am Ende bleibt ein beträchtlicher Kratzer am Thron, auf dem Sam jedoch nach wie vor sitzt und mit „Dis wo ich herkomm“ schon die ersten Bruchstellen wieder vergipst hat. Dieses Album direkt nach „Verdammtnochma!“, das wäre es gewesen. Denn auch wenn viele eben genanntes zweites Solo-Album haten, sehe ich es nach wie vor als eine verdammt starke Platte. Zugute halten muss man der Deluxe-Ära, dass sie mit den anfänglich sehr unterhaltsamen Zoom-Episoden Vorreiter eines mittlerweile allgegenwärtigen Online-TV-Business waren, das heute leider selten so gut ist wie Zoom.
Was von der mit der Krankheit DLX behafteten Zeit nun übrig bleibt ist ein geheilter und gestärkter Sam, der viele Erreger hinter sich gelassen hat, die vergeblich versuchen, neue Wirte zu finden. Und ein alter Spruch sagt ja bekanntlich: wer nichts wird, wird Wirt. Zum Glück ist ein Rapper vom Kaliber eines Samy Deluxe zu viel mehr fähig als nur Wirt zu sein. Er hat es lediglich ein paar Jahre zu spät erkannt. Besser spät als nie. Viel Erfolg für die Zukunft Sam. Ich bin dabei.
PS: Bitte mach den Track mit Azad nicht mehr, die Zeit ist vorbei, in der dabei ein Monster entstanden wäre.
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