Zum Abschluss des Jahres habe ich hier noch einmal die meiner Meinung nach besten Singles und Videos des deutschen Rapjahres zusammengetragen. Hiermit einen guten Rutsch und auf ein gutes 2009! Die Kommentare erspare ich mir einfach und lasse die Musik sprechen.
Curse - Freiheit
Klick hier, das Einbetten hat der liebe Curse verboten.
Kool Savas - Der Beweis II (Mammut Remix)
Peter Fox - Alles neu
Franky Kubrick - Keiner weiß
Black Market - Ladies & Gentlemen / Interessiert mich nicht
Dynamite Deluxe - Boombox
F.R. - Rap braucht Abitur
Mittwoch, 31. Dezember 2008
Montag, 29. Dezember 2008
Jeyz - Chronologie 3: Das Ende vom Anfang

Es scheint im Trend zu liegen, sein Album auf unbestimmte Dauer zu verzögern und stattdessen die Hörer mit halbgarer Kost abzuspeisen. Diese "Strategie" scheint auch Jeyz, neben Azad das letzte Aushängeschild des Frankfurter Labels Bozz Music, zu verfolgen und droppt nach einem ziemlich guten "Streettape" den dritten Teil seiner "Chronologie"-Reihe, mit gewohntem Mix neuer und bekannter Tracks der letzten Zeit. Wirklich überzeugend waren die ersten beiden Teile nicht und so steigt die Spannung, was uns Jeyz auf dem letzten Teil dieser Mixtapereihe zu bieten hat, vor allem auch im Hinblick auf die sich zunehmend verschlechternde Raplandschaft der Mainmetropole.
Auf die anfangs gestellte Frage "Wer bin ich" grummelt uns Azad in der Hook die Antwort, die niemand für möglich gehalten hatte: "Dies ist wer ich bin / und ich bin, nur wer ich bin". Wenn das nicht street ist, was dann? Ernsthaft: Die ersten Tracks dieses Tapes offenbaren eine erschreckende Banalität in Sachen Reim- und Textskills und jeder halbwegs trainierte Raphörer kann häufig den Folgereim schon voraussehen. Zudem kommen langsame Beats, die Jeyz' schleppenden Flow nicht gerade voranbringen und große Langweile verbreiten. "Wir als Kanacken hier" war im Original wesentlich besser, als auf diesem schäbig produzierten Remixchen und auch die Gäste RAF, Real Jay und der chronisch wacke Chaker zeigen hier nichts außer hohlem Gebrabbel. Aktuell kann man sich, als Teil eines 3-Track-Videos, "Bozz Rapper" online zu Gemüte führen. Dabei wird man meine bisherigen Aussagen bestätigen können. Mit "Finde deinen Weg" bricht der Deutsch-Italiener endlich aus dem Straßenpalaber aus und spricht dem Hörer glaubhaft Mut für seinen Lebensweg zu. Und auf einmal rappt der Kerl auch wieder amtlich – Hurra, ein Lichtblick! Verheißungsvoll klingt auch "Heimatloses Volk", worin es sich um Immigrantenfamilien dreht. Inhaltlich solide, aber aus Rap-Gesichtspunkten nichts, was den Hörer fesselt, weder emotionale noch spektakuläre Flows. "Warum ich" entstammt im Original dem "Streettape" und klang damals auch wesentlich besser als auf einem erneut mageren Remix, dennoch zeigt dieser Track, dass Jeyz am Mikro auch richtig durchdrehen kann. Jeyz beschränkt sich inhaltlich auf dem gesamten Tape vorwiegend damit, dass er es jetzt verdient hat und sich "Deutschlands Finest" und sonstige Lobhudeleien umhängt, denen hier jegliche Ermächtigungsgrundlage fehlt. Dass mir auf der Straße keiner Respekt zollt und Jeyz sich nehmen will, was ihm zusteht, ist erstens nichts neues und interessiert, hart gesagt, auch keine Sau. Jonesmann zeigt sich immerhin auf "Ich halte durch" solide, hat aber seine Glanzzeit auch hinter sich. Ursprünglich auf "Dear Mama" von Tupac aufgenommen kommt "Mamma" hier auf einem immerhin gelungenen Remix auf sanften Klavierklängen. "Jetzt geht's los" stammt von Phrequincys Album, handelt von den üblichen Nordweststadt-Parolen, zeigt jedoch zum bisher leider erst dritten Mal, was Jeyz kann, wenn er sich reinhängt. "Ich scheiß drauf" – ja, das tue ich auch, denn wie oft willst du mir, lieber Jeyz, noch erzählen, dass du auf Deals, Promo und alle anderen fickst und trotzdem erfolgreich sein willst? Wie soll das überhaupt gehen, wenn man auf alles kackt? Den Fanatixxx kommt die Plumpheit auch zum Mund raus und ich muss leider dringend skippen. Weitere Tracks erspare ich mir jetzt wegen mangelnden Neuerungen. Zu erwähnen sei, dass Tone Frankfurts Fahne hochhält und harte, aber immerhin gut gerappte Battlelines ablässt.
Die Vorfreude auf Jeyz' Album ist gleich Null, denn das hier war gar nichts. Verglichen mit dem "Streettape", von Chabs-Zeiten ganz zu schweigen, hat Jeyz seinen Flow wohl auf der Straße verloren, wiederholt sich hier endlos mit immer dem gleichen Rotz von wegen Straße und Hustle und wir ficken dich und schlag mich tot. Ungeachtet der Realität auf Frankfurts Straßen, die sicher hart und ungerecht sein mag, habe ich als Hörer nichts davon, mir das ewig und drei Tage reinzuziehen. Und das auch noch mit schlechtesten Reimen, peinlichen Features, oberflächlichen Instrumentals und schlichtweg nichts, was mich fesselt. Schade, aber Frankfurt scheint auf seinem Ast des HipHop-Baumes immer weiter abzusteigen, denn seine einzigen Früchte werden langsam welk. Wenn Azad nicht bald eine Bombe loslässt, soll er sein Label bitte Mangels Skills schließen.
Wertung: 1,5/5
verfasst für www.rap4fame.de
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Reviews
Dienstag, 23. Dezember 2008
Fröhliche Weihnachten!
Ich wünsche allen Lesern, sofern es diese überhaupt gibt, dieses Blogs ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Die Post-Dichte war in den letzten Monaten nicht mehr allzu hoch, was zum einen an der geringeren Release-Dichte liegt und zum anderen daran, dass ich einfach nicht mehr hinterherkomme mit Alben durchhören und auch noch anderen Kram zu tun hab. Und ein Album muss ja erst einmal "ziehen", bis man sich eine Meinung gebildet hat.
Aber ich habe vor, auch im nächsten Jahr das Ding hier am Laufen zu halten, also spreadet doch ein bisschen das Word oder gebt Feedback, wenn die Sache hier gefällt.
Die Post-Dichte war in den letzten Monaten nicht mehr allzu hoch, was zum einen an der geringeren Release-Dichte liegt und zum anderen daran, dass ich einfach nicht mehr hinterherkomme mit Alben durchhören und auch noch anderen Kram zu tun hab. Und ein Album muss ja erst einmal "ziehen", bis man sich eine Meinung gebildet hat.
Aber ich habe vor, auch im nächsten Jahr das Ding hier am Laufen zu halten, also spreadet doch ein bisschen das Word oder gebt Feedback, wenn die Sache hier gefällt.
Mittwoch, 3. Dezember 2008
Top 10: Alben 2008
Das Jahr neigt sich seinem Ende zu und es hinterlässt erstaunlich viele Platten, die mir positiv in Erinnerung bleiben. Seit einigen Jahren gab es nicht mehr eine solche Flut an Releases und vor allem nicht an solchen, die wirklich gut waren. So lässt sich sogar eine Rangliste formulieren meiner persönlichen Top 10 dieses Jahres, die ich euch nur empfehlen kann. Diesmal beginne ich von hinten:
10. Favorite - Anarcho
Der durchgeknallte Fav eröffnet mit einem Album voller kranker Geschichten, die er enorm witzig und mit seinem einzigartigen Flow und seiner ungenierten Art erzählt, die Hitliste. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig beginnt man aber schnell, diesen derben Style abzufeiern.
9. Dynamite Deluxe - TNT
Die Hamburger Veteranen hatten gegen die zahlreiche Konkurrenz zwar keine Chance, hinterließen jedoch trotzdem ein interessantes und musikalisch sehr vielfältiges Album. Leider blieb Sam vor allem inhaltlich recht blass und konnte so die hohen Erwartungen nich erfüllen.
8. Kollegah - Kollegah
Der prollt immer noch wie eh und je, tat sich gut am Feature-Verzicht und tobt sich auf seinem 2. Album äußerst unterhaltsam und beeindruckend kreativ in seinen unmenschlichen Reimketten und Unmengen genialen Wortspielen aus. Allein der erste Track weckt Erwartungen, die das Album problemlos hält.
7. Casper - Hin zur Sonne
An seine Stimme muss man sich gewöhnen, was bei mir recht lange dauerte. Doch dann offenbart sich ein enorm inhaltsstarkes Album, das einen Tiefgang fast schon in Curse-Manier an den Tag legt. Gut formulierte und intelligente Texte machen hier das große Plus.
6. Black Market - Evolution
Gerade zuvor gereviewed - in Sachen Beats ein herrliches Sample-Feuerwerk in ruffer Manier und reflektierte Texte eines MCs mit einprägsamer Stimme, die die Lines toll transportiert.
5. Olli Banjo - Sparring 3
Olli Rambo flowt mal wieder alles in Grund und Boden und beeindruckt vor allem raptechnisch. Da kaum ein Gast negativ auffällt schafft es das dritte Boxtraining des Kölners auf den mittleren Rang.
4. Franky Kubrick - Dramaking
Schön musikalisch untermalt haucht Franky seinen oft autobiografischen Texten eine ganz besondere Atmosphäre ein und manifestiert seinen eigenen Stil. Gepaart mit seiner Ehrlichkeit, gutem Storytelling und soliden Flows lieferte er ein Album ab, das man sicher nicht zum letzten Mal gehört hat.
3. F.R. - Vorsicht Stufe
Deutschraps Jungspund konnte sowohl mit richtig dicken Flowabfahrten überzeugen wie auch mit tollen Texten, gut gewählten Themen, klasse Reimstrukturen und zusammenfassend einfach fast durchweg dicken Tracks jede Menge Punkte einfahren.
2. Peter Fox - Stadtaffe
Inhaltlich stark, doch einfach aber treffend formuliert. Wenige Worte, viel Aussage. Clubtauglich, aber nicht peinlich. Komplex, aber nicht kompliziert. Absolut tanzbar und eingängig, aber nicht Kommerz. Musikalisch mit Orchester + Beats hochqualitativ gemacht. Und Peter Fox hat die Coolness einfach mit Löffeln gefressen. Geniale Platte, die herrlich Spaß macht und einen grandiosen Sound bietet.
1. Curse - Freiheit
Nur der Altmeister stahl Peter Fox knapp die Krone, in dem er es zwar ruhiger als in alten Tagen angeht, aber in Sachen Deepness und Lyrik in astronomische Höhen steigt. Dass Curse rappen kann, muss er nicht mehr beweisen, so liegt hier der Fokus auf ergreifenden Storys und interessanten Themen, unglaublich umgesetzt und mit tollen Produktionen und Gästen umrahmt. Curse kann eben noch keiner das Wasser reichen.
Ihr seid anderer Meinung oder verteilt die Plätze anders? Kommentiert den Eintrag einfach!
10. Favorite - Anarcho
Der durchgeknallte Fav eröffnet mit einem Album voller kranker Geschichten, die er enorm witzig und mit seinem einzigartigen Flow und seiner ungenierten Art erzählt, die Hitliste. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig beginnt man aber schnell, diesen derben Style abzufeiern.
9. Dynamite Deluxe - TNT
Die Hamburger Veteranen hatten gegen die zahlreiche Konkurrenz zwar keine Chance, hinterließen jedoch trotzdem ein interessantes und musikalisch sehr vielfältiges Album. Leider blieb Sam vor allem inhaltlich recht blass und konnte so die hohen Erwartungen nich erfüllen.
8. Kollegah - Kollegah
Der prollt immer noch wie eh und je, tat sich gut am Feature-Verzicht und tobt sich auf seinem 2. Album äußerst unterhaltsam und beeindruckend kreativ in seinen unmenschlichen Reimketten und Unmengen genialen Wortspielen aus. Allein der erste Track weckt Erwartungen, die das Album problemlos hält.
7. Casper - Hin zur Sonne
An seine Stimme muss man sich gewöhnen, was bei mir recht lange dauerte. Doch dann offenbart sich ein enorm inhaltsstarkes Album, das einen Tiefgang fast schon in Curse-Manier an den Tag legt. Gut formulierte und intelligente Texte machen hier das große Plus.
6. Black Market - Evolution
Gerade zuvor gereviewed - in Sachen Beats ein herrliches Sample-Feuerwerk in ruffer Manier und reflektierte Texte eines MCs mit einprägsamer Stimme, die die Lines toll transportiert.
5. Olli Banjo - Sparring 3
Olli Rambo flowt mal wieder alles in Grund und Boden und beeindruckt vor allem raptechnisch. Da kaum ein Gast negativ auffällt schafft es das dritte Boxtraining des Kölners auf den mittleren Rang.
4. Franky Kubrick - Dramaking
Schön musikalisch untermalt haucht Franky seinen oft autobiografischen Texten eine ganz besondere Atmosphäre ein und manifestiert seinen eigenen Stil. Gepaart mit seiner Ehrlichkeit, gutem Storytelling und soliden Flows lieferte er ein Album ab, das man sicher nicht zum letzten Mal gehört hat.
3. F.R. - Vorsicht Stufe
Deutschraps Jungspund konnte sowohl mit richtig dicken Flowabfahrten überzeugen wie auch mit tollen Texten, gut gewählten Themen, klasse Reimstrukturen und zusammenfassend einfach fast durchweg dicken Tracks jede Menge Punkte einfahren.
2. Peter Fox - Stadtaffe
Inhaltlich stark, doch einfach aber treffend formuliert. Wenige Worte, viel Aussage. Clubtauglich, aber nicht peinlich. Komplex, aber nicht kompliziert. Absolut tanzbar und eingängig, aber nicht Kommerz. Musikalisch mit Orchester + Beats hochqualitativ gemacht. Und Peter Fox hat die Coolness einfach mit Löffeln gefressen. Geniale Platte, die herrlich Spaß macht und einen grandiosen Sound bietet.
1. Curse - Freiheit
Nur der Altmeister stahl Peter Fox knapp die Krone, in dem er es zwar ruhiger als in alten Tagen angeht, aber in Sachen Deepness und Lyrik in astronomische Höhen steigt. Dass Curse rappen kann, muss er nicht mehr beweisen, so liegt hier der Fokus auf ergreifenden Storys und interessanten Themen, unglaublich umgesetzt und mit tollen Produktionen und Gästen umrahmt. Curse kann eben noch keiner das Wasser reichen.
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Montag, 1. Dezember 2008
Black Market - Evolution

Der Pott wurde ja lange Zeit als "back" gepriesen, aber im Endeffekt kamen zwar bei diesem Hype ein paar gute Tracks rum, doch denkt man bei gutem Pott-Rap meist ein paar Jahre zurück an Namen wie RAG, Creutzfeld & Jakob oder ABS. Und genau hier, bei trockenen Beats und charismatischen Stimmen, knüpft das Duisburger Duo Black Market an, die eine Scheibe liefern, die klingt, als wäre sie schon 10 Jahre älter.
Mit einem schlichten Artwork und Rucksack macht dieses noch recht unbekannte Duo Supreme (Rap) und Dex (Beats & Cuts) schon optisch ein wenig klar, in welche Richtung das Ganze geht. Was man heute leider immer seltener findet sind MCs, die allein durch ihre Stimme eine enorme Prägnanz und einen, wie man in Castings so gerne sagt, Wiedererkennungswert haben. Das trifft bei Preme absolut zu und beim ersten Hören denkt man, da rappt gerade Flipstar von C&J. Die gleichen ruhigen und präzisen Flows und eine ähnliche Stimme lassen den Hörer an den doch manchmal oft etwas billig gereimten Tracks haften. Mal denkt man, Jaleel zu hören, mal Tefla, mal wieder Flipstar - und doch hat Supreme eine eigene, charismatische Stimme trotz aller Ähnlichkeiten. Die zweite Komponente eines guten Rapduetts, nämlich dicke Beats, liefert Dex im Alleingang durch die Bank in Topform. Vom Ansatz durchaus vergleichbar mit dem Sound von "Gottes Werk und Creutzfelds Beitrag", jedoch weitaus ausgereifter und vollgestopfter mit unzähligen genialen Samples, die den Boombap eines Pete Rock in toller Samplearbeit in den Pott bringen. Inhaltlich finden sich viele persönliche Tracks auf dem Album sowie einiges an eher dezent gehaltener Kritik an Gesellschaft und Politik. Hier wird sich auf grundlegende Werte des Zusammenlebens besonnen und in sehr angenehmer Atmosphäre erzählt. Das Album hat, was wenige haben, nämlich eine eigene Atmosphäre und ein homogenes und ruffes Klangbild. Einige passende Scratcheinlagen und wenige, aber gute Featuregäste, runden dieses Bild ab.
Schade, dass diese beiden noch so unbekannt sind, denn das Zusammenspiel funktioniert wirklich exzellent. Dex zaubert hier Beats, die man auf Anhieb nie einem deutschen Produzenten zuordnen würde und die ich in Deutschland in dieser Art sehr selten höre - leider. Premes Flow ist stellenweise zwar etwas komisch und auch die Reimleistung ist nicht wirklich nennenswert, jedoch wird das durch gute Inhalte und einfach einen super "Vibe" wieder wettgemacht. Das Album dauert vielleicht etwas, bis es euch gefällt, aber dann gefällt es euch richtig. Investiert ein paar Euro, denn hier ist der Pott wirklich mal ein bisschen "back", und zwar back in the days...
Wertung: 3,75/5
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