Montag, 21. Juli 2008

LST Da Phunky Child - 16


Diesen gebürtigen Kasseler kennt wohl auch fast keiner, aber das solltet ihr, um das gleich vorweg zu nehmen, schleunigst ändern. LST das funkige Kind ist nicht erst seit gestern musikalisch aktiv und bringt hier ein Album, das beim ersten Durchhören ganz ok, aber eher standard klingt. Doch beschäftigt man sich intensiver damit, entfaltet es nach und nach seine Qualitäten. Diese wären zunächst bei den Beats zu finden - hier gibt es viel schöne Samplearbeit und eine überaus entspannte und etwas verträumte Atmosphäre. Um den ewigen Vergleich zu ziehen: Beatwise ein bisschen Nico Suave und Blumentopf, aber mit einer netten Prise 90er-Jahre-US-BoomBap-Sound gezuckert. Hier und da ein paar Scratches oder Filmzitate sowie ein Vinylknistern setzen dem die Krone auf. LST an sich beschreibt im Opener "16", was diese Zahl für ihn bedeutet und erzählt auch, dass er schon 16 Jahre im sprichwörtlichen Game ist. Reimtechnisch erwartet uns hier eher Mittelmaß, doch angesichts der ansprechenden Erzählkunst und guter Wortwahl stört das gar nicht. "Eine erkenntnisvolle Affäre" beschert LST eine Lehre über ein Date und er stellt auch fest, dass es "Seltsam" ist, wofür man alles seine Zeit verschwendet. "Men's Health" dreht sich, amüsant gestaltet, um die Dauer-Issues von Brigitte und Freundin: Die Diät und ihre Problemchen. Erst in der zweiten Hälfte läuft das Album nach guter Anfangsphase zu, fast schon, Hochform auf. "Die Musikerpolizei" ertappt den geneigten Review-Schreiber und Musikkritiker auf frischer Tat beim alles bis ins kleinste Detail hinterfragen und "When Hip Hop was Life" rekapituliert LST's Rap-Sozialisation auf interessante Weise. Das tolle "Raindrops" beschäftigt sich mit dem Verhalten der Menschen im Regen und ist auch musikalisch perfekt dem Titel gerecht untermalt. Diese Eigenschaft gipfelt im absoluten Hochlicht "Über den Dächern der Stadt", was textlich wie musikalisch einfach nur eine wundervolle Atmosphäre erzeugt. Inhaltlich auch sehr ansprechend sind "Sag mir" und "Auf dem Weg", "Dein Song" schafft auch eine super Atmosphäre und spricht wohl wirklich jeden Hörer an. Und schließlich kann neben weiteren guten Vorstellungen, wie dem verwirrenden "Das Ding", von dem niemand was, welches Ding er denn meint, auch "Das Outro" vollends überzeugen.

Hört euch dieses Album an, wenn ihr morgens etwas verschlafen zur Arbeit fahrt. Habe ich die letzten Tage getan und es ist einfach nur toll. Heutzutage sagt man zwar eher dick und fett als toll, aber es passt irgendwie. Man hört einen erwachsenen Mann, der dennoch ein Stück Kind geblieben ist und etwas zu erzählen hat, ohne auf "ich bin erwachsen und habe alles durchgemacht" zu kommen. Storytelling und die ein oder andere Lebensweisheit für Liebhaber guter Rapmusik. Es dauert vielleicht etwas, bis ihr der Platte etwas abgewinnen könnt, aber lasst ihr die Zeit.

4,25 von 5 Kronen