Sonntag, 17. Januar 2010

Alicia Keys - Live Concert online

Nachdem mich Alicia's Hookline in Jay-Z's "Empire State of Mind" völlig umgehauen hat, hab ich mehr zufällig bei der Suche nach einer Live-Version des Songs auch ein komplettes Konzert der Dame in HD auf YouTube entdeckt.

Sehr sehenswert das Ganze, auch falls ihr die Mehrheit der Songs nicht kennt. Nicht nur die enorme gesangliche Leistung, sondern auch Alicia's Ausstrahlung und Interaktion mit den Zuschauern macht das Ganze sehr schön anzusehen und zu hören. Zumal die gute Frau nicht nur für die Ohren was zu bieten hat...

"Empire State of Mind" Live (Konzertausschnitt):



Hier könnt ihr das komplette Konzert ansehen

Have fun...

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Klamauk zum Jahresende

2009 ist beinahe Geschichte und ich verabschiede mich mit folgendem Schmu:

Jon Lajoie - Show me your genitals

Wer's noch nicht kennt - herrliche Rap-Parodie, bei der man selbst als Rapfan lachen muss.



Adolf H. vs. Biggie Smalls

Nein, ich hege nicht die geringste Sympathie für diesen Kerl, aber dieses Video mit der Tonspur eines Live-Rap-Tracks ist einfach genial zusammengeschnitten.



Guten Rutsch und auf bald!

Samstag, 26. Dezember 2009

Damion Davis - Lichtjahre DVD


Obwohl Damion Davis weit abseits der Charts agiert und daher der großen Allgemeinheit wohl eher kein Begriff ist, ist er auch schon eine gute Dekade aktiv. Neben drei Alben, denen in Sachen Wortgewandtheit und Sprachbeherrschung im deutschen Rap nur wenige andere Platten bzw. Künstler das Wasser reichen können, verbrachte Damion sein halbes Leben auf Bühnen, vor und hinter der Kamera und in Tonstudios. Trotz einer langen Karriere ist man doch etwas erstaunt, wenn aus der DVD-Hülle gleich drei (!) Scheiben herauskullern. So viel Material muss jetzt unter die Lupe genommen werden.

Auf DVD 1 erzählt Damion uns erst etwas zu seiner "History". Diese Filmsequenz besteht primär aus einem in Interview-Manier seine Geschichte erzählenden Damion Davis und einigen eingefügten Videoaufnahmen aus vergangener Zeit. Wenn die Ausführungen des Protagonisten selbst auch nicht uninteressant sind, zieht sich das Ganze doch ziemlich. Das liegt vorwiegend daran, dass die Einspieler alter Videos sehr kurz gehalten und rar gestreut sind. Das ist schade, da, wie man u.a. am YouTube-Adventskalender sieht, es sicherlich Unmengen alter Aufnahmen gibt, die hier allerdings kaum gezeigt werden und es somit fast bei einem reinen Interview bleibt. Daraus hätte man sicher mehr machen können, wenn man sich z.B. die DVD der Beginner als Maßstab nimmt.
Das erste Set "Live @ Molotow, Hamburg, 2007" zeigt Damions Live-Fähigkeiten, die ich bisher in Deutschland nur von Curse kenne: Egal wie schnell und anspruchsvoll der Text ist, Damion hat eine sehr klare Aussprache, denkt nicht im geringsten daran, einen Backup-Rapper einzustellen und reißt sich stets den Arsch auf, um die Leute zu unterhalten. Man sieht bei der Aufzeichnung von insgesamt 7 Tracks das enorme Potential dieses Burschen als sehenswerten Live-MC. Wenn dieses Set auch in einem sehr kleinen Club mit bescheidener Crowd stattfindet, macht es Spaß, es anzusehen.
Die zweite Aufzeichnung "Live @ Splash! Festival 2008" zeigt Damions kompletten Auftritt als Opener des Splash!-Sonntags 2008. Wurde im vorherigen Set noch auf bewährte Turntables zurückgegriffen, sorgt hier eine Band für die musikalische Untermalung. Entgegen Damions Lobesschwüren auf die Geilheit der Band ist genau diese eher ein Minus-Faktor. Die Jungs spielen zwar nicht schlecht, jedoch erkennt man die nachgespielten Beats oft nur mit Mühe und die Instrumentierung ist generell recht dünn. Manche Beats mit markanten Samples wie etwa "Rooftops" oder "Fluchtversuch" klingen einfach nur von Platte richtig gut. Damion zeigt hier wie gewohnt sein Können und bemüht sich darum, die Menge für sich zu gewinnen, was bei geschätzten 300 klitschnassen Menschen im Festival-üblichen Regenschauer auch funktioniert. Mit Beats klassisch von Platte würde das sicher noch mehr abgehen, ist aber in jedem Fall eine weitere gelungene Darbietung, wenn Damion samt Band angesichts des noch recht leeren Geländes am frühen Nachmittag doch etwas verloren aussieht.
Das nachfolgende "Splash!-Special" zeigt Damion im Interview mit Looptroop und Spax. Kann man sich ansehen, ist aber auch nichts, was man sich immer wieder mal reinziehen muss. Weiterhin sieht man Ausschnitte aus Damions Show mit der Sushi-Band auf dem Splash!, die ich jetzt mal als eine Instrumental-Kombo mit Freestyle-Rapper umschreiben würde, die in Richtung Funk geht. Aufgrund der Kürze des Beitrags und der eher räudigen Audioqualität der Aufnahme lässt sich dazu allerdings nichts Detailliertes ausführen.

Die DVD 2 eröffnen drei "Filme", die Damion in den letzten Jahren gedreht hat. "Der Freimaurer" dauert nur eineinhalb Minuten und war ein Beitrag zum Thema Mauerfall. Der Film "Drehmoment" zeigt Impressionen aus Berlin. Sein tieferer Sinn erschließt sich mir allerdings nicht, ein wirklicher Film im klassischen Sinne ist das auch nicht, eher eine kleine Doku oder Momentaufnahme. Der einzige wirkliche und auch richtig gute Film ist "Wholetrain", den man allerdings separat auf DVD erwerben muss und hier nur einen Trailer serviert kriegt. Nach den Filmchen gibt es ein nochmal vier "Livetracks" ("Bandecho", "Marschmusik", "Linewand", "Fluchtversuch"), die auch in den Sets der ersten DVD gespielt wurden. Allerdings gibt es hier eine Live-Tonspur und wechselnde Bilder dazu aus vielen verschiedenen Gigs, an denen der Track performt wurde. Eine nette Zusammenstellung, aber auch nichts, was enorm vom Hocker reißt. Zum Schluss kann man sich noch alle Videoclips, die es bisher von Damion gibt, in guter DVD-Qualität ansehen. Dass in ihm ein Filmer steckt, sieht man an allen Clips, von denen jeder sehr gelungen ist und insbesondere der Evergreen "Fluchtversuch" durch beeindruckende Kamerafahrten besticht.

Als wäre das nicht genug, gibt es noch ein exklusives "Spoken View (Re-)Mixtape" von DJ V.Raeter und Breaque. Dieses ist eine gute Zusammenstellung diverser Tracks, von denen ich nicht alle kenne und daher nur bei den Album-Tracks von Damion bestätigen kann, dass es sich um Remixe handelt, d.h. neuer Beat plus alte Vocals. Die neuen Beats kommt allerdings bei weitem nicht an die Originale heran und gerade bei Tracks wie "Rooftops", "Von jetzt an" oder "Willkommen im All", bei denen der Beat schon eine enorme Atmosphäre kreiert, fehlt dieses Feeling gänzlich im Remix. Weitere Non-Album-Tracks seitens Damion Davis schließen sich nahtlos an seinen ohnehin qualitativ hohen Output an und ergänzen die Sammlung um weitere Top-Songs. Hiob & Dilemma sind auch mit einigen Tracks vertreten, bei denen es sich, denke ich mal, auch um Remixe handelt. Trotz der mir etwas widerstrebenden penetranten Stimmen der beiden sind auch das gute Songs, die man sich mehr als nur einmal anhören kann. Die beiden Solos von Sir Serch wissen auch durch lockere Flows zu gefallen und runden das Ganze gut ab.

Bei so viel Material stellt sich auch ein logischer Kritikpunkt ein: Komprimierung. Die DVD bietet ein gutes und ein zweites, etwas schlauchendes Liveset, wobei man erkennt, dass Damion auch live zum besten zählt, was dieses Rap-Land zu bieten hat. Seine History-Erzählungen sind für Fans durchaus interessant, jedoch mangels Abwechslung im Beitrag recht unspektakulär. Die Filme halte ich für wenig sehenswert und überflüssig, ebenso wie die Live-Zusammenschnitte auf DVD 2. Das Mixtape lohnt sich anzuhören und bietet durchweg gute Tracks ohne Ausfälle. Zusammenfassend hätte sich Damion also die zweite DVD bis auf die Videoclips sparen können und die History mit wesentlich mehr Footage versorgen müssen. Trotz dieser Kritikpunkte ist die DVD für die, denen Damions Musik gefällt und die ihn auch mal im Wohnzimmer live sehen wollen sicher eine gute Investition. Ich gehöre zwar zu diesen Menschen, hätte mir jedoch mehr erwartet von diesem Projekt.

Wertung: 3,5/5

verfasst für www.rap4fame.de

Samstag, 12. Dezember 2009

Deutschrap 2009: Ein trauriger Rückblick

Um diese Zeit kommt natürlich wieder jeder angeschissen und stellt seine Jahrescharts auf. Ich würde das auch gerne tun und schaue dabei erfreut auf das letzte Jahr, das nur so vor guten Platten stotzte und sogar einige potentielle Klassiker hervorbrachte. Ich denke da nur an Curse, Peter Fox oder Casper. (Top 10 zu sehen hier)

Wie war das in diesem Jahr? Kurz: nicht so. Eigentlich gab es nur zwei Alben, die mich in ihrer Gesamtheit überzeugen konnten. Zum einen Tuas "Grau", das mit durchdachten Texten und interessantem Soundbild in seiner ganz eigenen Weise Spaß macht. Zum zweiten Samys "Dis wo ich herkomm", auf dem er zeigt, dass er es immernoch kann und zwar nicht mehr so bissig wie früher spittet, jedoch nach wie vor Qualität bringen kann.
Als "befriedigend" bezeichnen lassen sich Mädness' "Zuckerbrot und Peitsche" und "Vier Fäuste für ein Halleluja" von Olli Banjo & Jonesmann. Mädness fährt durch die zu elektronischen hässlichen Beats Minuspunkte ein und auch dadurch, dass er in Sachen Themenvielfalt nachgelassen hat. Banjo & Jones rappen zwar technisch hochwertig, lassen aber den ihnen eigenen Witz fast gänzlich vermissen, was die Tracks recht schnell langweilig macht.
Da wären wir dann auch schon durch. Das viel gefeierte "Versager ohne Zukunft" von Kamp & Whizz Vienna ist zwar auch nicht schlecht, zieht sich aber enorm durch die langsamen Flows und spricht mich insgesamt nur wenig an.
Die restlich relevanten Platten des Jahres erwähne ich gar nicht mehr, da sie nichts zu bieten haben, woran man als Hörer lange Freude haben wird.

In diesem Sinne wünsche ich Rap gute Besserung und allen Lesern diese Blogs, sofern sie existieren, ein frohes Weihnachtsfest. Verschenkt statt Deutschrap-Platten lieber das neue Album von Westernhagen, das ist gut.

Freitag, 4. Dezember 2009

Beginner - Die derbste Band der Welt (DVD)


Wer die Beginner kennt, weiß, dass sie Perfektionisten sind und keine halben Sachen abliefern. So geschehen auch mit dieser Doppel-DVD, die einen scheinbar unerschöpflichen Fundus an Live-Material, Making Of's, Videos, Backstage-Reporten und jeder Menge Faxen aus dem musikalischen Alltag der drei Hamburger Pioniere bietet. Obendrein kommt eine aufwändige Doku über den Werdegang des Trios mit vielen ungesehenen Aufnahmen aus 13 Jahren Bandgeschichte.

Den Hauptfilm auf DVD 1 stellt die 70-minütige Dokumentation über die Geschichte der Beginner dar. Kommentierend blicken die drei auf etliche Stationen ihrer Karriere zurück. Dies ist nicht nur für Beginner-Fans, sondern generell für Deutschrap-Interessierte die wohl beste Doku, die es in diesem Sektor gibt. Lange vor "Bambule", zwischen 91 und 98, zogen die Beginner durch die Lande und machten ihre Erfahrungen auf Bühnen und in Studios. So sieht man Aufnahmen aus uralten Jams in Hamburg oder den ersten Aufnahmeversuchen im großen Studio, wobei man sich über die kleinen Kinder, die da rumhüpfen, bestens amüsieren kann. Denyo mit Afro-Frisur oder Klein-Eizi mit Haaren, Mitte der 90er Jahre, sind mehr als sehenswert. Vor allem auch deswegen, weil man einen Einblick bekommt, wie primitiv Rap damals noch produziert wurde. Neben Kommentaren von Leuten wie Torch, Dynamite Deluxe oder Main Concept kommen auch Verantwortliche von Plattenfirmen zu Wort, die über ihre Erfahrungen mit den Beginnern berichten. Wer die drei als Rocker verkleidet auf einem Metal-Festival sehen will, wie sie "Highway to Eimsbush" improvisieren oder staunen will, in welch abgefuckten Schlafstätten man früher nach Jams übernachtet hat, sollte einschalten. Vom Release von "Bambule" über den anschließenden Hype und die damit verbundenen Höhen und Tiefen geht es weiter zur Produktionsphase von "Blast Action Heroes", wobei es wieder jede Menge Einblicke in das "Stylen" der Jungs gibt und man hautnah dabei ist, wenn die Tracks entstehen. Der Humor kommt bei all dem nie zu kurz und der Film ist mit keiner Minute langweilig, sondern durchweg lustig, informativ und sehr abwechslungsreich.
Zusätzlich gibt es alle Videoclips der Beginner inklusive vieler Making Of's dazu, die nicht minder interessant und amüsant sind wie der Hauptfilm. Man merkt beim schauen der Clips oft nicht, welch enormer Aufwand dahinter steckt, gerade bei Songs wie "Hammerhart" oder "Fäule" wurden keine Mühen gescheut. Zusätzlich zu der Video-Sektion findet man im Booklet zu fast jeden Clip Anekdoten, die als Begleitlektüre nicht minder von Interesse sind.

Eineinhalb Stunden Beginner live in Hamburg im Rahmen der "Blast Action Tour 2003" gibt es auf DVD 2 zu sehen. Eine super Show mit einem bunten Mix aus beiden Platten sowie einigen Specials wie einem Gastauftritt von Dende bei "Mikro in der Hand". Flotte Schnitte und eine routinierte und engagierte Show sind ein Augen-und Ohrenschmaus und es ist immer wieder erstaunlich, wie eingespielt die drei aufeinander sind. Sehr sehenswert hierbei ist auch das Klingelton-Special. Wer mehr dazu wissen will, muss sich die DVD dann aber kaufen.
Neben dieser langen, aber nicht schlauchenden Live-Show gibt es noch mehr Schmankerl zu sehen. Es existiert weiterhin ein etwa halbstündiger "On the Road"-Bericht, der vom Soundcheck über das Zähneputzen vor dem Tourbus bis zu den Shows selbst ebenfalls uneingeschränkt zu empfehlen ist. Das oft herrlich dumme Gelaber der Truppe um Tropf, Mixwell und Beginner ist manchmal besser als Comedy und findet seine Krönung in "Gag in Town". Dies ist eine Sammlung von allerlei Outtakes, sinnlosen Aktionen und weiteren Szenen, bei denen garantiert keiner nicht lacht. Papierflieger-Contest nach dem Splash, Verkackte Radio-Interviews, Eißfeldts hingebungsvolle Playback-Einlage zu Jeanette Biedermanns Performance sind nur einige der urkomischen Filmchen, die einer ohnehin grandiosen DVD die Krone aufsetzen.

Viele DVDs schaffen es nicht, durchweg interessant zu sein. Diese hier meistert diese Hürde spielerisch, obwohl sie vollgestopft ist mit Material bis zum Rand. Eine großartige Doku, eine souveräne Live-Show und nicht zuletzt jede Menge Gags, Faxen und Dummbatzerei schnüren ein Paket, das man einfach haben muss, da es hier durchweg Qualität gibt und die Beginner als eine sehr umtriebige und seit langem existente Gruppe auch viel zu berichten haben. Ob sie wirklich die derbste Band der Welt sind mag ich jetzt im globalen Kontext nicht entscheiden, die derbste Rap-DVD aus deutschen Landen ist das jedoch mit Abstand. Unbedingt zulegen!

Wertung: 5/5

verfasst für www.rap4fame.de

Montag, 16. November 2009

Kool Savas - Was hat SAV da vor?


Eine Neuauflage des Covers zu seinem großartigen Debüt-Album und diese endlose Online-Video-Soap legen eine hohe Messlatte für das, was SAV da nun wirklich vor hat. Ich habe diese Soap kaum verfolgt, weil ich mit dieser zwanghaften Sich-im-Gespräch-halten-müssen-Masche nichts anfangen kann, vor allem wenn man sich vorwiegend mit irgendeiner abgefuckten Handycam filmt. Hat ein Vollprofi wie Savas diese schäbige Berichterstattung nötig? Es scheint so. Es scheint auch so, als würde die ganze Welt darüber reden und auch die Savas-Eko-Kiste schon anhand kleinster Twitter-Zitate direkt wieder ausgraben und mit dem Mikroskop analysieren. Für mich stellt sich dabei nur eine einzige Frage: Habt ihr eigentlich nichts besseres zu tun? Oder vielleicht noch eine: Wer will das wissen?

Helmut Kohl sagte einst schon sehr treffend "Wichtig ist, was hinten rauskommt". Pillath würde darauf wohl spitten: "Und ich rede nicht von meinem Riemen nach dem Arschfick, Doggy!". Ok, genug der Faxen, wichtig ist, was bei der EP von Essah nun hinten rauskommt. Ja, ich habe sie runtergeladen, da ich die Juice, seit der Nichtskönner Farid Bang auf dem Cover war, nicht mehr käuflich erwerben werde.

Es kam wie erwartet. Savas rappt immernoch königlich und macht kaum Abstriche in Sachen Flow und Skills, wenn er auch seinen größten Hunger schon hinter sich gelassen hat. Die Beats sind hier erstaunlich schwach und drucklos, sie plätschern so mir nichts dir nichts durch die Boxen.
Inhaltlich geht es da ähnlich schwach zu. "Was hat SAV da vor" ist ein Opener, der in Ordnung geht, aber auch nicht mehr. Inwiefern die Hörerschaft interessiert, dass Savas' Shirt "Black" ist, kann ich mir nicht erschließen. Der Track spielt durchweg mit dem Thema "Schwarz und Weiß", was aber lyrisch nicht wirklich anspruchsvoll ist oder dank guter Lines im Gedächtnis bleibt. Was bleibt ist eine nervtötende Hook. Bei "Butterflys" erzählt Savas die Geschichte einer Groupie-Tussi, die ihn vergöttert. Geht nicht davon aus, dass es noch eine krasse Wendung in der Story gibt, denn er Track vermittelt den Eindruck, aber es bleibt bei einer belanglosen Geschichte. Kommen wir zum großen Feature-Ennsemble "Futurama", das leider nahezu komplett fürs Klo ist. Altmeister Curse lässt sich zu Blabla-Zeilen herunter, Azad stochert wieder vergeblich im Beat rum und meint immernoch, alles zerstören zu müssen. Ceza und Greis verstehe ich kaum, sie mögen gut sein. Wenn Havoc wirklich der von Mobb Deep ist, raff ich nicht, wie man ein so großes Feature auf so einen Track klatschen kann. Perlen vor die Säue. Obwohl, da Havoc auch nur rumlangweilt, vielleicht ganz gut so. "Charisma" ist noch der fast beste Track, da hier ein gut aufgelegter Amar mal wieder zeigt, dass doch einiges in ihm steckt.

Was bleibt ist viel Lärm um nichts. Vielleicht sollte Savas in Rente gehen, jetzt da Optik tot ist. Er hat mehr als genug große Kunst serviert und sollte sich nicht zwanghaft mit belanglosem Gewäsch über Wasser halten müssen. Er kann rappen, aber hat scheinbar nichts mehr zu sagen. Vielleicht verfasse ich meine Beiträge künftig audiovisuell und erzähle euch über meine 3,2-Megapixel-Handykamera aus der schönen Rap-Welt, wenn euch das lieber ist.

Samstag, 10. Oktober 2009

[Goldies] Beginner - Blast Action Heroes


Darüber, dass "Bambule" deutschen Rap salonfähig machte, müssen wir wohl nicht streiten. Gestritten wurde zwischen dem 1998er Debüt und dieser Scheibe hier wohl eher darum, wie man an ein so wegweisendes Album würdig anknüpft. Die Beginner, so professionell, kreativ und unbeirrbar wie sie eben seit eh und je sind, machten einfach das, was sie am besten können: Beats, Flows und Cuts. Frei von den Zwängen der Erwartungserfüllung der Hörerschaft kreierten sie erneut einen eigenen, weiterentwickelten Sound, der das Potential dieser drei innovativen Hamburger auf die nächste Stufe hievte.

"Wir sind nicht nur im Haus, wir ham’s schon mitgebaut" – dass ihr gleich wisst, dass hier nicht irgendwer "Back in Town" ist! In der ihnen eigenen Lockerheit eröffnen die drei ihr Album und machen Lust auf mehr. Ich hoffe, dass sich bei den Namen Denyo und Eizi Eiz niemand mehr fragt: "Wer bistn du?". Falls doch, stellen sich die beiden auf dezent gesampelten E-Gitarren und professionellen Arrangements ein wenig vor und erzählen von ihren Marotten und Fetischen. Wer spätestens nach der zweiten Hook noch einen Namen vermisst, bekommt von DJ Mad sogleich eine äußerst anschauliche Abfahrt passender Wordcuts verpasst, die auch seinem Namen zu genüge Rechnung trägt. Überhaupt fällt es positiv auf, dass der DJ stets als vollwertiges Bandmitglied mit von der Partie ist.
Nun aber genug des Representens, es gibt noch mehr zu erzählen. Zum Beispiel, wenn die Beginner ihre "Scheinwerfer" auf das nächtliche Deutschland richten und gekonnt sozialkritische Töne auf antreibende Drums packen. Die Nacht wird hier teilweise synonym für die dunklen Seiten unseres Landes benutzt und witzige Vergleiche wechseln sich mit manchen politischen Spitzen ab. Wer davon nichts wissen will, soll sich bitte als Kuscheltier verkleiden und durch die U-Bahn rennen. So geschehen im Clip zu "Gustav Gans", in dem die Beginner selbst in diesem kindischen Aufzug noch Styles machen und dazu raten, das Gute im Leben zu schätzen. Quietschfidele Nummer, die Spaß macht. Es folgt mit dem "City Blues" eine herrlich umgesetzte, nicht ganz unkritische, Hommage an Hamburg. Möwenschreie zu Beginn, ein verträumtes Saxophon zum Schluss und ein entspannter Beat katapultieren den Hörer direkt an die Landungsbrücken. Auch für Nicht-Hamburger ein absolutes Highlight. "Schiss" reißt uns dann direkt wieder aus den Tagträumen und hält uns vor Augen, dass es ganz normal ist, wenn einem manchmal die Muffe geht. Wieder schaffen es die Beginner, mit locker gestrickten Lyrics unterschwellige Gesellschaftskritik zu transportieren. Hast du alleine Schiss, dann schließ dich doch mit anderen zusammen! "Stift her", das unterschreibe ich so und schließe mich der Aussage des Tracks an:

"Findest du Rap scheiße und stehst auf heavy?!
doch heute versteckst du die langen Haare unterm Cappy
hörst du Türkenpop und trägst Birkenstock aus Wildleder?
Ok! Alle können sie kommen, außer Bild-Leser!"



Musikalisch wieder innovativ umgesetzt macht auch dieser Track Laune sowie Sinn. Trotz allem Sinn für Gemeinschaft geht einem doch so manches auf den Sack, was in "St. Anger" thematisiert wird. "Dynamite Deluxe, Stieber Twins, bitte kommt wieder / in den Top 10 nix, außer die Clique von Dieter!" ist nur eine vieler treffender Lines, die hier so manche Missstände der Gesellschaft beleuchten. Ein bisschen politisches Hintergrundwissen wird bei "Chili-Chil Bäng Bäng" vorausgesetzt, sonst erkennt man hinter dem Disstrack der etwas anderen Art nur eine alberne Märchengeschichte statt der Seitenhiebe gegen die Politiker Schill und Schily. Clever gemachtes Ding. Was mir etwas zu sehr schlaucht ist "Hör weg", das zwar wie alles mit einem super Beat ausgestattet ist, aber auf Dauer doch eher langweilig wird. Ganz anders "Fäule", das live immer noch abreißt und mit dem sich die Beginner 2003 offiziell zurück meldeten. Es folgt eine Hommage an die Musik selbst, in denen viele Künstler Lob zugesprochen bekommen und ausnahmsweise einmal auf einen etwas schnelleren Beat gerappt wird. Max' Hook rundet den nächsten großen Wurf namens "God is a Music" perfekt ab. "Wunderschön" ist dagegen eine göttlich ironische Erzählung über die komplett positive Umweltverschmutzung:

"Die Düsenjäger pfeifen Kuschelrock-Melodien
und die Luft, sie duftet nach Kerosin
auf besinnlich, so wie wir‘s von Adventsliedern kennen
und spontan machen wir Liebe unter Handy-Antennen"



Das heimliche Highlight des Albums kommt ganz zum Schluss: "Kake is at the Dampf". Während Mad den Tag verpennt, labern Eizi und Denyo seine Mailbox im Wechsel voll und erzählen über den Untergang der Musikindustrie. Alleine für das Konzept, die musikalische wie textliche Umsetzung, gebührt den Jungs ein Echo. Witzig, sehr innovativ und kritisch zugleich beenden sie mit diesem 8-Minuten-Monster eine grandiose Platte.

Die Beginner schaffen es, ihre politischen Überzeugungen und gesellschaftskritischen Ansichten gekonnt ohne Zeigefinger, sondern lieber ironisch oder unterschwellig zu transportieren. Dadurch entstehen nicht, wie man vielleicht vermuten mag, komplizierte Tracks nur für das Bildungsbürgertum, sondern locker-flockige Nummern, mit denen jeder Spaß haben kann. Neben den super Texten machen die drei im Übrigen auch alle Beats selbst, was sie ebenfalls mehr als gut können. Absolut professionell ausproduziert, durchdacht und einfach derbe ist das hier geworden. Ausgefuchst statt ausgelutscht eben, wie ein Weggefährte einst anmerkte. Es ist kein neues "Bambule", es ist ein kaum vergleichbares, neues Album, das auf seine Weise absolut überzeugt und direkt neben dem Debüt in jeder Plattensammlung stehen sollte. Merke: "Hamburg City ruled - wer behauptet was anderes?"

Wertung: 4,5/5

verfasst für www.rap4fame.de

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Abschied von den Optikern

Viele Labels bleiben ja nicht mehr übrig, da bekanntermaßen auch Optik Records nun Geschichte ist. Als das Label mit dem besten Kader an fähigen Künstlern (Savas, Franky Kubrick, Melbeatz, Ercandize, Moe) stimmt es mich doch etwas traurig, dass die meisten nun arbeitslos sind. Gerade für einen ewigen Pechvogel wie Franky Kubrick ist diese Entwicklung schade.
Daher spare ich mir dieses Mal meine zynischen Ausführungen und verliere auch sonst nicht mehr viele Worte, sondern stelle stattdessen ein kleines audiovisuelles Best of der optischen Zeit für euch zusammen.

Kool Savas - Der beste Tag meines Lebens (Live @ Abschiedstorunee 2009)

Einer von Savas' besten Songs noch mal mit versammelter Mannschaft



Kool Savas, Ercandize, Caput - Nie mehr

Kennt kaum jemand, kann aber sehr viel der Song.



Franky Kubrick - Press Rewind


Zwar was die Idee angeht von Nas geklaut, sonst aber ein sehr gelungener Track.



Kool Savas - Rapfilm

Interessantes Konzept und gute Umsetzung. Der bislang letzte wirklich gute Savas-Track.



Kool Savas - Das Urteil

Die Geschichte ist ein alter Hut, aber dennoch ist das Savas' Sternstunde.



Franky Kubrick - Keiner weiß

Schöne Story, wenn auch etwas lasches Video.



Kool Savas ft. sehr viele andere Rapper - Der Beweis (Mammut Remix)

Kaum Ausfälle, richtig gutes Teil.



Time to say goodbye...

Mittwoch, 7. Oktober 2009

[Goldies] Azad - Faust des Nordwestens


Zwei Jahre ist es zum Releasezeitpunkt her, dass Azad auf der Bildfläche erschienen ist und zur Hochzeit des deutschen HipHop als einer der ersten den Gegenpol zur damals präsenten Rap-Gemeinde und deren Style dargestellt hat. Entgegen dem eher auf Wortwitz und Lockerheit basierenden Stil der Hamburger und Stuttgarter kam auf einmal ein Kurde mit rauen und harten Beats daher, der uns mit Reimen aus Frankfurts Straßen zuschüttete. "Leben" zählen viele bis heute zu den großen Werken des Deutschrap und die Erwartungen an den Nachfolger waren natürlich groß. Wie fest schlug die "Faust des Nordwestens" wirklich durch den Beton der Nordweststadt?

Azad verfolgt auch auf seinem zweiten Album die klassische thematische Zweiteilung zwischen ruffem Battlekram und tiefer gehenden Lyrics. Eingeläutet wird das Ganze durch ein im Grunde überflüssiges "Intro", doch wenn die Platte dann mal losgeht, dann gleich richtig. Bitte den Subwoofer nicht zu stark aufdrehen, sonst lässt ihn der Bass in "A" gehörig hüpfen. Ein enorm hungriger und aggressiver Azad prügelt uns seine Battlelines nur so um die Ohren und schafft einen beeindruckenden Opener. Schon lange vor dem "One"-Album waren Savas und Azad ihrer Meinung nach "#1". Ein Track, der textlich wie raptechnisch nicht mehr als solide ist, jedoch durch den charismatischen Style der beiden genannte Mängel locker ausbügelt und sich gut hören lassen kann. Der Titeltrack "Faust des Nordwestens" kommt mit sehr vernuschelt und irgendwie nicht zum Beat passenden Flows und weiß daher nicht sonderlich zu gefallen. Das langsame "Bang" hat ein ähnliches Problem, da Azad hier teilweise sehr abgehackt rappt. Den Inhalt von J–Luvs Hook verstehe ich vom Sinn her bis heute nicht und der Track ist zwar komisch, aber irgendwie interessant. Schwer zu beurteilen, aber doch eher eine der schwächeren Nummern.
Azads Stärke liegt allerdings, wie man hier noch deutlicher als auf dem Debüt merkt, auf der deepen Schiene. Ein absolutes Highlight ist das bedrückende "Drama", dessen weinende Streicher einem schon fast die Tränen in die Augen treiben. Lindas beklemmend gesungene Hook verstärkt diesen Effekt noch zusehends und passt genial in den Song. Azads Abhandlung über die Hürden des Lebens ist textlich wie von der Performance her sehr atmosphärisch. Thematisch ähnlich gestaltet sich das ebenfalls starke "Schmerz/Überleben", worin sich Azads Flow dem hektischen Beat perfekt anpasst und die Message über den alltäglichen Hirnfick super transportiert. "Ehre und Stärke" kommt mit rappender Unterstützung aus Frankreich. Neben einer guten Performance Azads kann ich Sakos Part aufgrund mangelnder Sprachkenntnis nicht bewerten. Raptechnisch dauerhaft auf hohem Niveau weiß Azad auch mit dem nächsten Song zu beeindrucken. "?" richtet sich als positiven Appell an die Rapszene und ist bis heute einer der besten Songs in diese Richtung. Ein entspannt fließender Beat verbreitet für Azads Verhältnisse eine erstaunlich lockere Atmosphäre:

"Der Morgen kommt und ich schaue stolz in den Spiegel und weiß
Meine Lieder sind frei, mir egal auch wenn niemand es peilt
Ich liebe den Scheiß und bin nur aus Liebe und von Herzen dabei
Wie schwer ist es zu begreifen, dass ich nur diss um mein Schmerz zu befreien
Ich bin nich gekommen um zu haten, sondern um unseren Scheiß zu bewegen,
Hip-Hop zu bewegen, ich will Ehrlichkeit und Styles hervorheben
"


Wie er angesichts Zeilen wie dieser den beinharten Disstrack gegen "MC U Reen", also MC Rene, auf dem Album rechtfertigt, ist mir schleierhaft. Zwar ein tauglicher Battletrack, jedoch nichts, was man auf einem Album für die Ewigkeit hätte festhalten müssen.
Das nächste große Highlight ist zweifelsohne die wunderschöne Widmung an Azads Tochter, "Mein Licht". Ohne verweichlicht zu klingen bringt Papa A hier seine Gefühle für seine Kleine rührend auf den Beat. Doch das war nur die "Ruhe vor dem Sturm", bis am Ende nochmal die Brechstange rausgeholt wird. Die auf den nachfolgenden Alben immer mehr nachlassenden Jungs von Warheit spucken hier noch charismatisch und liefern einen guten Track. "Fickt euch" kommt schließlich mit ruhigem, aber bedrohlichem Beat daher, auf dem sich Azad mit leicht verzerrter Stimme über alles und jeden aufs schärfste auskotzt. Sprachlich hart und nicht immer weitsichtig, aber letztlich doch ein weiterer gelungener Track.

Was Azad zum Vorgänger-Album verbessert hat, ist seine Deutlichkeit in der Aussprache. Musste man auf dem Debüt oft noch genau hinhören, um die schnellen Flows zu erhaschen, rappt er hier enorm klar und deutlich, ohne seine Energie einzubüßen. Lediglich der Titelsong durchbricht dies zum Negativen und ist neben zwei bis drei weiteren mageren Songs mitverantwortlich, dass das Album an der Höchstwertung vorbeifliegt. Denn die Mehrheit der Tracks zeigt einen Azad, wie er besser selten war und man ihn heute vermisst: Hungrig, ehrlich und mit einem eigenen, unverwechselbaren Stil. Leider fehlt dem Album ein wenig die Kohärenz des Vorgängers, womit ein zweifelsohne sehr starkes Album bleibt, das man aber bzgl. der Trackanzahl noch hätte komprimieren können. Ein lohnenswerter Kauf ist es aber trotz mancher Kritikpunkte zweifellos.

Wertung: 4/5

verfasst für www.rap4fame.de

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Deluxe Records schließt: Die logische Konsequenz einer musikalischen Durststrecke


Gerade lese ich über die wohl baldige Schließung von Deluxe Records und muss dazu kurz meinen Senf abgeben.

Kurz um: Wurde auch Zeit.

So sehr ich Fan von Sam und seiner Musik bin, so sehr muss man sagen, dass er mit diesem Label im Grunde so gut wie alles falsch gemacht hat. Konnte man die „Hamburgs Finest“-Geschichte am Anfang noch mit recht guter Rapmusik verbinden, wendete sich das Blatt zunehmend ab Mixtape Nr. 6 („Big Baus oft the Nauf“). Erschreckend einfallslose Tracks eines Möchtegern Ami-Checkers erschlugen das leise „Ohladidadida“ in den Ohren der Fangemeinde wie ein Vorschlaghammer und ich sagte damals schon Samys sicheren Abstieg voraus. Zum Glück bin ich was das Prophetendasein angeht noch nicht so geübt. Zum Glück hat Herr Sorge schließlich erkannt, dass nicht alles was glänzt auch Gold ist, wie man so schön abgedroschen sagt. Und zum Glück reißt er mit dem schon immer lahmenden Deluxe-Dampfer eine Menge Fehleinkäufe mit in die Tiefe.

Illo hätte so viel aus sich machen können, wurde aber zum Schnulzenkönig des deutschen Rap und verschwand schließlich in der Versenkung. Die Headliners waren zwar keine schlechten Rapper, aber was haben sie hinterlassen? Richtig: Nichts. Dass die Koalition aus Pott und Hamburg in einem Misstrauensvotum zerbrach, war von Anfang an klar und nahm dem aufstrebenden Trio SPM den Wind aus den Segeln. Gut, dass es so kam, denn Manuellsen sowie Snaga sowie Pillath hatten ihre Zeit und ihren verdienten Hype, stellten jedoch unter Beweis, dass sie langfristig keinen Platz in der Regierung finden können. Anscheinend hatte Sam beim Signing von Blade seine Kiff-Sperre durchbrochen, denn was er an diesem Kerl fand, versuche ich heute noch vergeblich zu verstehen. Ali A$ ist ein witziger Typ, jedoch auch keine Leuchtfigur am Raphimmel. Letztlich hatte Tua für ein interessantes und gutes Album über das Label eine Basis, die Masse zu erreichen, hat aber auch nie in das Roster gepasst. Die beiden mehr schlecht als rechten Labelsampler zeugten davon, dass hier vieles nicht zusammenpasste und man weit von den Maximen vergangener Hamburger Tage entfernt war.

Am Ende bleibt ein beträchtlicher Kratzer am Thron, auf dem Sam jedoch nach wie vor sitzt und mit „Dis wo ich herkomm“ schon die ersten Bruchstellen wieder vergipst hat. Dieses Album direkt nach „Verdammtnochma!“, das wäre es gewesen. Denn auch wenn viele eben genanntes zweites Solo-Album haten, sehe ich es nach wie vor als eine verdammt starke Platte. Zugute halten muss man der Deluxe-Ära, dass sie mit den anfänglich sehr unterhaltsamen Zoom-Episoden Vorreiter eines mittlerweile allgegenwärtigen Online-TV-Business waren, das heute leider selten so gut ist wie Zoom.

Was von der mit der Krankheit DLX behafteten Zeit nun übrig bleibt ist ein geheilter und gestärkter Sam, der viele Erreger hinter sich gelassen hat, die vergeblich versuchen, neue Wirte zu finden. Und ein alter Spruch sagt ja bekanntlich: wer nichts wird, wird Wirt. Zum Glück ist ein Rapper vom Kaliber eines Samy Deluxe zu viel mehr fähig als nur Wirt zu sein. Er hat es lediglich ein paar Jahre zu spät erkannt. Besser spät als nie. Viel Erfolg für die Zukunft Sam. Ich bin dabei.

PS: Bitte mach den Track mit Azad nicht mehr, die Zeit ist vorbei, in der dabei ein Monster entstanden wäre.